10 Gründe, warum ich mich gegen Karriere und für meine Kinder entschieden habe.

Meine persönlichen Top 10.

5/1/20264 min lesen

In diesem Blog handelt es sich um meine ganz persönlichen Gründe, die ich hier zum ersten mal öffentlich schildere, weshalb wir (sowohl mein Mann als auch ich) uns dafür entschieden haben den Karrieresprung und unsere individuelle Entfaltung für die ersten Jahre nach hinten zu verschieben. Zur Transparenz und Erläuterung: Unser 1. Kind, also unsere Tochter, war bis sie 3,5 Jahre alt war, komplett kita-frei und unser 2. Kind, unser Sohn, kam mit 2 in die selbe Kinderkrippe, in der seine Schwester ist, für 3x die Woche in eine 3-4 stündige Nachmittagsbetreuung.

Weshalb ich mich in den letzten 5 Jahren gegen Karriere entschieden habe, hat folgende Gründe:

1."Trennung kam für mich nie in Frage.

Es hat sich nie „richtig“ angefühlt. Deshalb stand es ganz lange nie zur Debatte. Und ja das bedingte mit kurzen Ausnahmen die typische und verteufelte „Rollenverteilung“ (Mann bringt finanziell die Familie durch, die Frau kümmert sich um die Beziehung mit den Kindern*, aber wir haben darin kein „Problem gesehen“. Und lange bevor ich mit meiner Recherche über die „Auswirkungen der frühkindlichen Fremdbetreuung" und die Cortisol-Studien begann, lag diese Realität in mir tief vergraben: „Kinder bis 2-3 Jahren gehören in die Nähe ihrer Eltern und nicht fremdbetreut, insbesondere der Mutter, bis sie eigenständig sprechen, laufen und erzählen können wie ihr Tag war.

*Anmerkung: natürlich spielt die Bindung des Vaters zu den Kindern auch eine wichtige Rolle, diese war aber erst nach der Mobilität der Kinder relevanter und ausgeprägter, da die Stillperiode das Kind sehr zur Mutter bindet.

2. "80% des menschlichen Gehirns bildet sich bis zum 2. Lebensjahr.

Was in diesem Zeitfenster neurologisch aufgebaut wird, prägt das ganze Leben. Ein Nervensystem, das durch die ersten zwei Bindungsjahre Nähe, kontinuierlich echte Ruhe und vertraute Co-Regulation und deshalb (!) wenig bis kaum Stresserfahrung registrieren musste, ermöglicht später mehr Resilienz, effizienteres Stressmanagement und intrinsische Gefühlsregulation und eine körpereigene natürliche Ausschüttung der Botenstoffe wie Oxitocin, Domain, Serotonin, Endorphine, die für eine gesunde physische und psychische Gesundheit wichtig sind.

3. "Bindung kann nicht mehr nachgeholt werden."

Sie kann später in Beziehungen oder Therapien nur „repariert“ werden, aber nicht mehr nachgeholt werden. Aus dem Kontext von Bindungstrauma und Entwicklungspsychologie, weiss man heute: Bindungserfahrungen bilden unsere Beziehungskompetenz im Erwachsenenalter. A la:  „Das was ich früh erlebt habe, projiziert mein Unterbewusstsein später auf meine Beziehungen - und zwar alle.

4. „Langzeitstillen macht die Trennung fast unmöglich.

Auch wenn ich es gewollt hätte, länger als zwei Stunden konnte ich beiden Kinder im ersten Jahr ehe nicht zurücklassen. Es gab entweder Hungerstreik (trotz Muttermilch in Flasche), Unruhe und Weinen oder die Betreuungsperson (Papa, Oma etc.) haben die „Wut abgekommen“ :-))

5. „Intensive Fremdel-Phasen der Kinder.“

Die Natur hat sich wohl bei dieser Entwicklungsphase zur Sicherstellung der Bindung was raffiniertes dabei gedacht: "Alle Fremde ausser Mama und Papa. ggf. Oma/Opa sind doof". Nicht nur weil diese Phase bei meinen beiden Kinder sehr intensiv war, sondern, weil sie auch lange andauerte. Bis 1,5-2 Jahren konnte ich nie ohne Kinder unterwegs sein.

6. „Für mein Arbeitgeber oder die Wirtschaft wäre ich zu 100% ersetzbar, für meine Kinder nicht.“

Ganz ehrlich gemeinte Frage, warum sollte ich für ein Arbeitgeber, oder den Karrieresprung oder Geld -  die Nähe zur Beziehung meiner Kinder verpassen ? (Auch wenn das mit ganz viel Verzicht einhergeht.)

7. „Wer sich aktiv FÜR die Mutterschaft entscheidet, trägt Verantwortung.“ - Erica Kommisar.

Ich bin absolut kein Typ Frau, die gerne Hausfrau ist. Absolut nicht. Wer mich wirklich kennt, weiss das. Dennoch geht es um Priorisierung, bzw. falls man ein Kind gebärt, sollte man sich dieser Verantwortung der Mutterschaft mit all seinen Facetten stellen. Auch wenn DAS für einige Zeit viel Verzicht, Mühsal, Nervenzusammenbrüche, Erschöpfung bis hin zur Gemütsveränderungen bedeutet. Nicht das Kind wollte zur Welt, sondern die Eltern wollten es. Wer muss sich dann an wessen Leben anpassen ? Kinder sind keine Accessoires, sondern abhängige Lebewesen mit echten Bedürfnissen.

8. Eine Mutter trägt ALLE Kompetenzen mit sich, die ein Kind für die ersten Jahre benötigt - nochmal ja, alle !!“

Nicht nur weil ich von jeder Mimik meiner Kinder ihre Bedürfnisse und ihr Gemütszustand ohne Probleme ablesen kann, sondern weil auch die einfache Tatsache vorherrscht, dass: die ganze Biologie eine Frau zum maximal optimierten „MODUS“ (hormonell, neurologisch etc.) verwandelt, sodass sie die Bedürfnisse ihres Kindes viel besser als andere Bezugspersonen wahrnehmen und auch stillen kann. Sie hat nun einmal biologisch betrachtet den „Bindungsvorsprung“ aus der 9-monatigen Schwangerschaft. Ausserdem und Ja, die Mutter kann dem Kind alles anbieten (auch wenn es die Gesellschaft anders darstellt): Nämlich oft eine entspannte und lärm-reduzierte 1:1 Betreuung (ganz anders als in der Krippe), viele gemeinsame soziale Begegnungen, echte Zuwendung, Spiegelung mit echten (!) Gefühlen*, liebevoll zuverlässige (!) Bindungserfahrung, kontinuierliche Co-Regulation je nach Bedarf des Kindes & somit gesunde altersgerechte Gehirnentwicklung, gemeinsame Exploration etc. etc.

* Anmerkung: Weil viele behaupten, dass eine pädagogische Betreuungsperson wie aus der Krippen Betreuung besser für das Wohlergehen des Kindes sei, als eine mal gereizte oder "überforderte" Mutter, deshalb sei die frühkindliche Fremdbetreuung sinnvoller: Fachlich inkorrekt: Kinder brauchen keine perfekten Eltern, sondern authentische (!) Eltern. Echte Gefühle, die eine realitätsnahe Beziehungsdynamik spiegeln, dienen viel mehr dem Kind: dass eben Beziehungen Höhen und Tiefen haben, vielmehr kommt es darauf an, wie diese im Nachhinein gelöst werden -  als ein Bindungsersatz aus einer ausserfamiliären Person, die kein wahrhaftiges Interesse an die Entfaltung  des Kindes gegenüber pflegt - und Kinder spüren das - ohne Filter!

9. „3 Jahre von 75 Lebensjahren sind lediglich 4 %“

Ehrlich gesagt ist Mathe garnicht so meins, aber diese Rechnung bringt überraschend viel Ruhe ein: Es sind nur 4 % meines Lebens, die ununterbrochen und höchst intensiv auf die Bindungsjahre eines Kindes fokussiert sind - in denen mal meine Bedürfnisse nicht wie immer an erster Stelle stehen. Wenn man zwei Kinder hat dann 8% meines gesamten Lebens.

Im Umkehrschluss wäre ich mit zwei Kindern in den restlichen Lebensjahren (92%) mit meiner „Freiheit“ bedient. Was war das „Dilemma" nochmal?

10. „Kinder sind den Eltern geborgene Seelen“

Dieser Punkt ist aus meiner spirituellen Sichtweise geprägt: In meiner Glaubensüberzeugung gehören Kinder nicht mal ihren leiblichen Eltern. Sondern sie sind von der göttlichen Quelle - geborgene Seelen, die begleitet und im besten Fall bedingungslos geliebt werden dürfen.

Wenn mir was sehr wertvolles geborgen und vor allem anvertraut wird, weil in mir die nötigen Potentiale und Kompetenzen gesehen und erkannt wurden, das ich es auch meistern kann, egal wie schwierig diese Herausforderung ist, so versuche ich zumindest diese Zumutung mit Wertschätzung zu begegnen, indem ich die Bedürfnisse dieser kleinen bedürftigen Wesen, durch mich in Welt geborenen Kinder, sehr ernst zu nehmen.