Blogartikel #11 "Mutterschaft - Vollzeitjob und nicht rentabel?"

Was passiert, wenn wir uns diesem „Job“ vollkommen hingeben?

4/22/20262 min lesen

Wenn man eine Vollzeitmutter ist - und nicht erwerbstätig, könnte man meinen der ganze Tag dreht sich „nur“ um die Bedürfnisse der Kinder, man komme viel zu kurz, bzw. garnicht dran. Intellektueller Austausch, spontane Projekte, kurzfristiger Ausflug für ein Seminar oder Vortrag? In den ersten Jahren der Mutterschaft zumindest kaum denkbar.

Und genau hier liegt vermeintlich das „Problem“.

In unsere Bewertung, unsere Wahrnehmung, dass der Alltag mit unseren Kindern zumindest für die ersten Jahre „ein fremdbestimmtes Leben“ sei - in dem wir - unser Ego - nicht mehr viel autonom entscheiden, tun und lassen kann, was es mag. Von der persönlichen Entfaltung ganz abgesehen.

Man wird das Gefühl manchmal nicht los :

"Ich stecke fest mit so viel Verantwortung" - oder:

"Ich bin stehen geblieben"

Aber ist das so?

Bleibt unsere „Potentialentfaltung“ stehen, wenn wir Vollzeitmutter sind und „nur“ für die Kinder präsent sind?

Woher kommt dieser innere Antrieb, neben dem herausfordernden Beruf der Welt, noch weitere Tätigkeiten abwickeln zu wollen/müssen?

Ist das nicht eher die innere Stimme, die vielleicht nach der Anerkennung, Aufmerksamkeit und Bestätigung im Aussen eilt ?

Ist das nicht das innere kindliche Bedürfnis, nach externer Anerkennung (den Applaus, den wir uns alle so sehr wünschen?)

Steckt hinter all dem nicht eigentlich das Bedürfnis nach…

Gesehen werden ?

Obwohl unsere Kinder uns jeden Tag - stündlich und minütlich sehen, lieben wie wir sind, uns vergeben, verehren, imitieren und anhimmeln, suchen wir den Applaus da draussen ? (den wir vielleicht als Kind nicht genügend erfahren durften?)

Nicht nur die gesellschaftlichen Normen und die besonders vorherrschende Mutterfeindlichkeit hat uns geprägt „nicht genug zu sein“ und dass unsere „Mutterschaft“ nichts besonderes und selbstverständliches ist, sondern auch unsere inneren Anteile.

Vielleicht beginnen wir den Blickwinkel zu verändern ?

Die persönliche Potentialentfaltung darf dank der Mutterschaft für nur wenige Bindungsjahre pausieren - nicht auf Eis gelegt werden, sondern kurz - eine Pause machen. Kein Weltuntergang.

Weder unsere Talente, Potentiale, Können und Kompetenzen gehen während dieser Jahre flöten, noch „verpassen“ wir da draussen was weltbewegendes.

Vielmehr würde man als Mutter die wertvollen ersten Jahre - in denen die primären Bindungserfahrungen unserer Kinder geschehen, für immer verpassen.

Kein einziger Tag, gar Stunde, Minute oder Sekunde der Entwicklung der Kinder, kehrt je mehr wieder zurück.

Aber was viele hierbei übersehen:

In den ersten 1000 Lebenstagen wird das Fundament für das spätere Leben gesetzt.

Sowohl aus der Bindungsforschung, Entwicklungspsychologie, als auch aus der modernen Gehirnforschung, ist bekannt:

Eine sicheres Bindungsfundament - ohne Verwicklungen, d.h. ohne chronischen Stress und Anpassungsnotwendigkeiten - kann unsere Lebensqualität und Beziehungskompetenzen so sehr unwiderruflich prägen, als die ersten 1000 Lebenstage unserer frühkindlichen Erfahrung (Seit Empfängnis bis zum 2. Lebensjahr).

Eltern säen den Samenkorn für die Lebensqualität und glückliche und friedvolle Beziehungen. Die Ernte darf die Gesellschaft aufnehmen. Wer nach Frieden in der Gesellschaft strebt, sollte also GENAU HIER hin schauen und den Fokus von da „Aussen“ auf die Beziehungsebene zwischen Eltern und Kind setzen. Wenn eine Gesellschaft, ganze Systeme und Institutionen nicht auf diese Grundlage gegründet und orientiert sind, dann können wir von einer systematisch strukturellen Familien,- und somit Kinderfeindlichkeit sprechen. Vielleicht ging es in unserer bisherigen Gesellschaft NIE um das Wohlergehen der Familien und Kinder ? Und vielleicht sind wir - ein Stück weit - mit davon geprägt?

Wer die Mutterschaft als „ungenügend“ , „unrentabel“ oder „zu nebensächlich“ bewertet, darf gerne nun sich fragen:

„Welcher Beruf kann wertvoller als das sein, eine ganze Gesellschaft bis hin zu einer Generation prägen zu können?“

Es lohnt sich darüber nachzudenken.