Blogartikel #4 "Lieben Eltern wahrhaftig?"
Die Potential-Entfaltung der Kinder
12/28/20253 min lesen
Lieben Eltern wahrhaftig?
Der Titel von diesem Blogbeitrag mag manche zum philosophischen Denken anregen, gar für manche provokativ klingen. Mich hat es zuletzt tatsächlich sehr zum Nachdenken angeregt, als ich die Gespräche zwischen dem Neurobiologen Prof. Gerald Hüther und dem Kindheitsforscher und Historiker Michael Hüter mir angehört habe. In diesem Filmportrait wurden unheimlich spannende Punkte angesprochen[1]. Ein wichtiger Aspekt wurde umfassender angeschaut: «Wie kann es sein, dass trotz der Zivilisation, der hoch gehaltenen modernen Erziehung und Bildungsmöglichkeiten unseren Kindern – historisch betrachtet bis in die Gegenwart – im Westen nie so schlecht ging wie heute?» [2] Der Historiker und Kindheitsforscher Michael Hüter äussert offen seine Besorgnis über die Zukunft der Kinder, bzw. unserer Zukunft.
Aber womit hängt das zusammen? Der Gehirnforscher Gerald Hüther ist der Ansicht, dass Kinder in der Erziehung ihrer Eltern oft zur Objekten gemacht und nicht wie Subjekte ebenwürdig behandelt werden. Vielmehr dürfen wir in Be.ziehung mit unseren Kindern sein, anstatt sie zur Objekten unserer Bestrafung, Belohnung, Konditionierung, Wegweisung und Zurechtweisungen zu degradieren. Michael Hüter beobachtet wiederum, wie in der Geschichte positiv auffallende Persönlichkeiten, Pioniere wie die Reform-Pädagogin Maria Montessori, Hannah Arendt, die deutsch-US-amerikanische politische Theoretikerin und Totalitarismus Forscherin, oder Leonardo Da Vinci gemeinsam hatten:
Sie alle waren ungeschult und familial sozialisiert (Meist von einer Mutter geliebt und unterstützt, indem was sie taten)
Sie alle wuchsen ohne Krippe, Kindergarten und kaum Schulkarriere auf. Karl Max kam erst mit 12 Jahren in die Schule. Leonardo Da Vinci wuchs in Italien ohne Kindergarten, Schule und universitärer Ausbildung heran. Er wurde zu einem weltweit bekanntem begnadeten Künstler, Bildhauer, Astronom, Naturwissenschaftler, Architekt, Mechaniker und Mediziner. Seine Mutter unterstützte ihn in seinem «sich frei bilden» - mit Erfolg.
Trotz flächendeckender Einschulung und «Bildungschancen durch die institutionelle Bildung» fehle in unserer Zeit nicht nur solche herausragenden Pioniere, Dichter, Erfinder, Künstler, Denker, sondern wir haben aktuell im 21. Jahrhundert mit einem grossen Rückschritt der mentalen Gesundheit der Kinder und Jugendlichen zu tun, so M. Hüter. Er wirft in seinem Vortrag am 9. September 2023 im Bürgersaal Ergolding (Landshut), «Re-Evolution des Menschseins!» folgende Fragen auf:
«Was wurde aus den grossen Träumen und Visionen der Kindern den Neuankömmlingen?"
"Was ist geworden aus den Träumen der sie stützenden und bedingungslos liebenden und Geborgenheit gebenden Müttern und Vätern?"
"Wo sind die kompetenten und empathischen Eltern geblieben, die von der Schwangerschaft und Geburt das Menschgewordene nicht erziehen, sondern in Be.ziehung ein lebenslang begleiten?»
Die spannende Frage ist doch, was macht Menschen zur Pioniere, Wegweiser, oder zur wirklich erfolgreichen Menschen, die durch ihr voll ausgeschöpftes Potential der Menschheit dienen und ihre Werke hinterlassen können?
Vielleicht sind wir in einem systematischen Hindernis verstrickt, nämlich in ein Bildungswesen und Schulsystem, die in keiner Weise den Nährboden zur Potentialentfaltung der Kinder ebnen.
Ist das aber nicht, die Verantwortung der (wahrhaftig) liebenden Eltern, sich um diese Potentiale ihrer Kinder – und nicht Motive ihrer eigenen Wünsche – zu kümmern und diese unterstützend zu begleiten?
Der Neurologe und Gehirnforscher Gerald Hüther beantwortet die Frage, wie eine wahrhaftige Liebe von Eltern wirklich aussehen könnte, mit folgenden Worten:
« Liebe ist, das unbedingte Interesse an die Entfaltung des anderen.» Prof. Dr. Gerald Hüther.[3]
Mit dieser Definition gehe ich absolut mit. Wenn Eltern an die Potentialentfaltung ihres Kindes wahrhaftig interessiert sind, so stellt sich früher oder später die Frage, ob man bislang seine persönlichen Ideale, Wünsche und Lebensziele auf sein Kind projiziert hat, oder man wirklich darin interessiert war, das angeborene göttliche Potential des Kindes zu erkennen und zum Erblühen zu bringen. Das setzt voraus, dass wir dem Kind den Raum und die notwendige Umgebung geben können, den es benötigt, sich zu entfalten. Und das wiederum setzt voraus, dass wir unsere bisherige Perspektiven, gar Weltbilder über «sich-frei-bilden[4]» eventuell umdenken dürfen. Und als Eltern dürfen wir uns erneut mit unseren angelernten, oder übernommenen Sichtweisen über diese und weitere Themen beschäftigen - und wir kommen wieder nicht drum herum – uns mit unser Selbst zu beschäftigen. Die grösste Veränderung beginnt nämlich immer mit Dir.
Quellenverzeichnis:
[1] https://youtu.be/tUjNOx4wvNM?si=80yMAf1m_bBtdjON - LIEBE. bedingungslos – Michael Hüter im Gespräch mit Gerald Hüther / Ein Filmportrait
[2] https://www.youtube.com/watch?v=b4pByNQ75Sw - Michael Hüter – Vortrag: Re-Evolution des Menschseins!
[3] https://youtu.be/tUjNOx4wvNM?si=80yMAf1m_bBtdjON - LIEBE. bedingungslos – Michael Hüter im Gespräch mit Gerald Hüther / Ein Filmportrait
